Da ich jetzt mehr Zeit als gestern habe, gehe ich mal etwas näher auf dein Posting Nummero 53 ein. Ist leider viel zu lang geworden, aber wat mut, dat mut...
Wenn man sich so weit aus dem Fenster lehnt, wie ich es mit meiner stellenweise sehr harschen Kritik getan habe, muss man natürlich auch immer damit rechnen, die Ohren langgezogen zu bekommen. Da ich nicht nur austeilen, sondern auch ganz gut einstecken kann, bin ich durchaus in der Lage, bei berechtigten Vorwürfen auch mal einen Rückzieher zu machen und mich eines Besseren belehren zu lassen. Leider kann mich allerdings dein Antwort-Posting nicht zur Selbstkritik inspirieren, da es zum größten Teil auf völlig haltlosen Unterstellungen zu meiner Person basiert. Das finde ich nicht nur enttäuschend, sondern vor allem auch verwunderlich; schließlich bist du es ja gewesen, der sich im Thread „Ausländerhass“ – bei dem ich dich sogar unterstützt habe – völlig zurecht bei den Äußerungen von Masterchief darüber beklagt hat, dass da mal wieder mit offensichtlich willkürlichem Missverstehen gegengehalten wurde (Zitat: „Etwas unbedingt falsch verstehen zu wollen, kann auch ich niemandem verbieten..... Geschrieben habe ich DAS aber sicherlich nicht.“). Aber bevor mir noch vorgeworfen wird, mich hier in allgemeinen Floskeln zu verlieren, kommen wir mal zu den Einzelheiten:
1. „Nimm‘s mir nicht übel, aber du erinnerst mich heute ein bisschen an Pippi Langstrumpf. Die hat sich die Welt auch einfach so gemacht, wie sie ihr gefällt.“ – Nö, nehme ich dir nicht übel. Pippi Langstrumpf war ja eine sehr sympathische Person, deshalb kann ich mit diesem Vorwurf ganz gut leben. Aber das ich mir die Welt so mache, wie sie mir gefällt – Gott, ich wünschte, ich könnte es! Denn dann würden manche Dinge (aber längst nicht alle!) wahrlich anders laufen in unserer Gesellschaft...
2. „Die Argumente, auf die ich meine Meinung begründete, werden kurzerhand zu "Scheinargumenten" erklärt, schwupps hast Du den Baum gefällt, denn meiner Meinung ist ja nun der argumentative Teppich unter den Füßen weggezogen worden.“ – Richtig, darauf beruht ja schließlich auch das Widerlegen eines Argumentes! „Scheinargumente“ war vielleicht etwas unglücklich ausgedrückt; das ändert aber nix daran, dass der Verweis auf Massentauglichkeit der Sendung für mich echter Humbug ist. Ein Sender, der sich nachgewiesenermaßen mit den Telefon- und Werbeeinnahmen von „Wer wird Millionär“ (das ich sogar richtig gut finde, ob du’s glaubst oder nicht!) pro Sendung locker einen Millionen-Gewinner leisten könnte, dürfte wohl kaum am Hungertuch nagen, wenn er eine richtig gute Sendung auf die Beine stellen würde, die dafür vielleicht weniger Publikum erreicht. Bestes Beispiel dafür ist die „Harald-Schmidt-Show“ (eine der wenigen ECHTEN Kultsendungen im deutschen TV!) auf SAT 1 – seit Jahren ein Quoten- und betriebswirtschaftliches Desaster, aber so unangefochten gut, dass SAT 1 den Teufel tun würde, die Sendung abzusetzen. Mit anderen Worten: Mit ein bisschen Willen und kompetenten Leuten im Hintergrund wären echte Qualitätsformate auch bei RTL durchzusetzen, ohne ständig auf die Quoten zu schielen. Schließlich erwirbt man mit hochwertigen Produkten auch ein gewisses Image, das langfristig gesehen wesentlich einträglicher ist als ein Flop nach dem anderen...
3. „Die Kritikerin der WAZ (die nicht gerade im Ruf steht, besonders stümperhaft oder populistisch zu sein), wird kurzerhand zur Stümperin erklärt.“ – Erstens: Wenn du noch mal genau nachliest, handelt es sich hierbei um eine Dame der WZ, nicht der WAZ (die meines Wissens nach vor allem im Ruhrgebiet erscheint, ich aber komme aus Krefeld am Niederrhein). Die von dir erwähnte Kritikerin der WAZ kann ich nicht beurteilen, sehr wohl aber das Geschreibsel „unserer“ Protagonistin. Zweitens: Das Wort „Stümper“ bezieht sich hauptsächlich auf die Form der Kritik und erst in zweiter Linie auf den Inhalt (sprich ihre Meinung). Der Kommentar enthielt kaum nennenswerte Informationen; jemand, der die Sendung nicht gesehen hat und dies liest, bekommt einen ziemlich falschen Eindruck der Show (wo war z. B. ein Kommentar zum größten Aufreger – nämlich der Auftritt von Nena?). Und das ist ein Punkt, den schon Schüler im Deutschunterricht vermittelt bekommen... Abgesehen davon schildert sie die Sendung ansonsten zum größten Teil (außer dem Gesülze von Geissen und Pflaume) dermaßen schönfärberisch, das man sich fragt, ob sie eigentlich dasselbe gesehen hat wie wir. Mir ist es wurscht, ob nun die Mehr- oder die Minderheit hier von uns gleicher Meinung ist wie ich – fast alle haben ihre Argumente sehr differenziert vorgetragen, und das ist es, was ich meinte, als ich schrieb: „Jede(r) Einzelne von uns hätte mit Sicherheit eine bessere Kritik abgeliefert als diese“. Aber diese Trulla verdient damit ihr Geld, und da sollte man eigentlich eine gewisse Beherrschung des grundlegendsten Handwerkzeugs erwarten können. Diese „überbezahlten Stümper“ sind es, die mich mittlerweile so ankotzen; Näheres dazu werde ich wohl in den nächsten Tagen in meinem zweiten „Absurdistan“-Beitrag schreiben. Denn wir wollen diesen Thread hier ja nicht völlig verfremden (bzw. „off-topic“ machen, wie es ein Großteil solcher Blender wohl nennen würde – pruust...)...
4. „Also können alle anderen nur keine Ahnung haben und sitzen damit an einem Arbeitsplatz, an dem man sich sich selbst viel besser vorstellen könnte.“ – Von „allen anderen“ habe ich nirgendwo gesprochen, ich rede von einem gewissen Anteil an Leuten, die völlig talentfrei und inkompetent in entscheidenden Positionen hocken und da auch noch die dicke Kohle abgreifen. Und ja, an manchen Stellen könnte ich mich tatsächlich viel besser vorstellen – im Gegensatz zu diesen realitätsfernen Pseudos kenne ich nämlich meine Stärken und meine Schwächen – und stehe auch dazu! So habe ich z. B. Schwierigkeiten mit räumlichem und technischem Verständnis (was mich als Mann besonders nervt!) und würde mich daher niemals für einen Arbeitsplatz bewerben, an dem genau solche Fähigkeiten gefragt sind. Es ist für mich eine ganz besondere Stärke, genau zu wissen, was man NICHT kann – und das geht vielen Leuten heutzutage völlig ab. Selbstbewusstsein wird immer öfter mit bloßer Selbstüberschätzung verwechselt; kein Wunder, dass manche Promis von einer Peinlichkeit in die nächste stolpern...
5. „Im Übrigen halte ich RTL nicht für den Untergang des Abendlandes. Sendungen wie „RTL aktuell“, „Wer wird Millionär“, „Spiegel TV“, „Stern TV“, „7 Tage - 7 Köpfe“, „RTL-Nachtjournal“ usw. usf. haben mich sicherlich in meinem Leben weitaus weniger verblödet, als die Sendungen vermeintlich anspruchsvoller Sender („Lindenstraße?“ „Brisant?“ ...).“ – Die von dir genannten, an zwei Händen abzählbaren Ausnahmen können über den allgemeinen Eindruck nicht hinwegtäuschen. Übrigens wäre ich vorsichtig mit der Bewertung der RTL-Nachrichten: Anfang der 90er habe ich auch noch gedacht: „Gott sei Dank gibt’s noch was anderes als die knochentrockene „Tagesschau!“. Mittlerweile bin ich froh, dass die Nachrichtensendungen von ARD und ZDF die Fahne der Seriösität hochhalten: Im Laufe der Jahre fiel mir nämlich auf, wie u. a. die RTL-Moderatoren oftmals mit Mimik, Gestik, Tonfall und der Wortwahl immer manipulistischer und subjektiver über wichtige Geschehnisse berichten (so hat z. B. der RTL-Amerika-Korrespondent einen unerträglichen Hang zur Übertreibung). Der Hammer ist allerdings die Sport-Ecke in den 18.45 Uhr-Nachrichten: Unfassbar, mit welcher Arroganz RTL da fast nur über die Sportarten berichtet, an denen sie auch die Übertragungsrechte haben! Als die deutsche Fußball-Nationalelf letztes Jahr in Wembley gegen England das Spiel des Jahres hatte, war das den RTL-Leuten nur eine kurze Ergebnismeldung wert – nachdem man vorher ausführlich darüber berichtet hatte, wie oft Michael Schumacher an diesem Tag denn auf’m Klo war (überspitzt formuliert!)... Ich für meinen Teil schaue mir deren Nachrichten nur noch wegen einer der erotischsten Frauen im deutschen Fernsehen an: Die Wetterfee Maxi Biewer ist wahrlich ein Highlight...
Dies war Teil 1, da sonst der Text für einen einzelnen Beitrag zu lang ist, folgt der 2. Teil auf dem Fuße unten...